Leben in Gemeinschaft: Welche Sorte soll's denn sein?

Zusammen wohnen oder nicht? Gemeinsame Projekte oder einfach eine nette WG? Beziehungen bewusst pflegen oder einen wirtschaftlichen Zweck verfolgen? Es gibt viele Arten von Gemeinschaften! Wenn du in Gemeinschaft leben willst oder eine gründen möchtest, hilft es, dir klar zu werden, welche Art es sein soll!

LEBEN IN GEMEINSCHAFT

Manuela Kuhar

10/17/20253 min read

Soso, du willst also gemeinschaftlich(er) leben!

Soll ich sagen: Herzlichen Glückwunsch zu deinem Vorhaben - oder herzliches Beileid? ;-)

Mal im Ernst: Ich finde es geradezu lebenswichtig, dass sich Menschen in Gemeinschaften zusammentun. Wie sonst sollten wir den Herausforderungen der heutigen Zeit begegnen?

Doch leider sind die heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen eher darauf ausgelegt, Menschen voneinander zu isolieren.

Deswegen fielen mir die ersten Schritte in Gemeinschaft ganz schön schwer - so wie vielen anderen auch. Doch es hat sich vielfach gelohnt!


Heute geht es um die Frage:

Was genau bedeutet eigentlich Gemeinschaft für dich?

In der Tat kann man unter "Gemeinschaft" sehr verschiedene Dinge verstehen.
Wenn du eine Gemeinschaft suchst oder gründen willst, lohnt es sich, erstmal zu überlegen, welche Sorte es denn sein soll!

Nun denn! Sicher gibt es viele Arten, Gemeinschaften in Schubladen zu stecken ;-)
- ich finde diese hier ganz hilfreich:


1. Gemeinschaften, bei denen ein praktischer / politischer / wirtschaftlicher Zweck im Vordergrund steht
  • Arbeitsgemeinschaften, Unternehmen, Vereine, Parteien, Internate, Zweck-WGs,
    SoLaWi etc.

  • Die Mitglieder ziehen aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen an einem Strang, oder um eine bestimmte praktische Absicht umzusetzen.

  • Kommunen würde ich auch zu dieser Kategorie zählen, wenn das gemeinsame Wirtschaften im Vordergrund steht.
    Das heißt, die Einkünfte der Mitglieder werden in einen gemeinschaftlichen Topf gegeben, der für den Lebensunterhalt aller Mitglieder und den Erhalt und Aufbau der Kommune verwendet wird.

  • Die Mitglieder müssen nicht unbedingt zusammen wohnen, Ressourcen teilen, Beziehungen pflegen, sich anderweitig unterstützen oder bestimmte Werte teilen; aber sie können, wenn sie möchten.

2. Gemeinschaften, die die Beziehungen der Mitglieder in den Vordergrund stellen
  • Freundschaft, Partnerschaft und Lebensgemeinschaften, Familie, nette WGs, "Wahlfamilie" etc.

  • Die Mitglieder pflegen ihre Beziehungen mehr oder weniger bewusst. Das kann z.B. durch gegenseitige Unterstützung, durch gemeinsame Unternehmungen, Feiern oder Rituale passieren.

  • Vielleicht üben sich die Mitglieder in gewaltfreier Kommunikation oder teilen emotionale Prozesse miteinander. Vielleicht gibt es Veranstaltungen rund um Kommunikation und Beziehungen. Aber das tun nicht alle.

  • Die Mitglieder können zusammen wohnen, Ressourcen teilen, bestimmte Werte teilen, oder eine bestimmten praktischen Zweck verfolgen; aber sie müssen nicht.

3. Gemeinschaften, die bestimmte Werte teilen
  • Wertebasierte Gemeinschaften teilen eine klar definierte Weltanschauung oder bestimmte Grundhaltungen. Dazu können z.B. politisch oder ökologisch motivierte Gruppierungen zählen.

  • Religiöse/spirituelle Gemeinschaften werden von ihren Überzeugungen geeint. Da ist die Bandbreite groß – von lockeren Zusammenschlüssen über Klöster und Kirchengemeinden über Osho-Kommunen bis hin zu solchen, die sich sehr abschotten, wie die Amish.

  • Die Mitglieder müssen nicht unbedingt zusammen wohnen, Ressourcen teilen, tiefe Beziehungen pflegen, sich gegenseitig aktiv unterstützen oder einen bestimmten praktischen Zweck verfolgen; aber sie können, wenn sie möchten.

4. Gemeinschaften, die zwei oder alle Aspekte vereinen
  • Viele Gemeinschaften sind Mischungen aus den genannten Aspekten.

  • Es gibt z.B. wertebasierte Gemeinschaften, die gleichzeitig praktische Zwecke verfolgen, bei denen die Beziehungen unter den Mitgliedern jedoch nicht im Vordergrund stehen – z.B. Klöster oder Yoga Vidya;

  • und es gibt wertebasierte Gemeinschaften, die auch viel Wert auf die Beziehungen unter den Mitgliedern legen, ohne gemeinsames praktisches Projekt (z.B. Kirchengemeinden).

  • Es gibt Gruppen, die größtenteils von wirtschaftlichen oder praktischen Zwecken zusammengeführt werden, die jedoch gleichzeitig auch einen gewissen Wert auf Beziehungspflege legen und vielleicht auch von gemeinsamen Werten getragen werden (z.B. Mehrgenerationenhäuser, Alleinerziehenden-WGs, Vereine, Unternehmen).

  • Intentionale Gemeinschaften versuchen alle drei Aspekte zusammenzubringen:
    Bewusste Beziehungspflege in Verbindung mit einer klaren Wertebasis und auch
    gemeinsame wirtschaftliche, politische und/oder praktische Zwecke.
    Beispiele sind Ökodörfer wie Sieben Linden, Tamera und ZeGG, sowie eine Vielzahl kleinerer Gemeinschaftsprojekte.

Auf dieser Seite und in meiner Begleitung fokussiere ich mich auf Lebensgemeinschaften, denen Beziehungspflege am Herzen liegt - und die optimalerweise gleichzeitig auch mit starken Werten und gemeinsamen Projekten eine lebenswerte Zukunft schaffen möchten.

Reflexion


Welche Erfahrungen hast du bereits in verschiedenen
Gemeinschafts-Formen gemacht?

Beziehungspflege, gemeinsame Werte, praktischer / wirtschaftlicher / politischer Zweck: Welche dieser Aspekte sind dir bei deiner Gemeinschaftssuche bzw. -Gründung wichtig, welche weniger? Inwiefern?

Welche Erkenntnisse nimmst du aus diesem Beitrag mit?

Herzliche Grüße,
Manuela

P.S. Dieser Beitrag ist ein Teil vom KLARHEITS-KOMPASS für Gemeinschaftssuchende und Gründer! Unten kannst du ihn herunterladen :-)

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